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Auf der Suche nach einem Biber


Seit geraumer Zeit rückt ein in großen Teilen Europas ausgestorbenes Wildtier immer unübersehbar bis in meine eigene Heimat vor. Vor vielen Jahren war es eine Sensation, als die ersten aus Bayern eingewanderten Biber in Baden-Württemberg gesichtet wurden. Mittlerweile findet man fast quer durchs "Ländle" die unverkennbaren Spuren dieses beeindruckenden Nagers. Sobald nun der Biber in nächster Nähe gesichtet wurde, wird der Naturfotograf nervös und scharrt quasi mit den Hufen.

Meistens bekommt man über die Tageszeitung etc. zuerst einmal nur rudimentär recht allgemeine Informationen. - Keiner möchte ja den genauen Ort verraten. So fängt dann die eigene Recherche an. Veröffentlichte Fotos werden auf etwaige Hinweise genau gescreent und das Internet wird nach weiteren Hinweisen durchforscht. Nachdem ich erste wichtige Anhaltspunkte zusammen hatte, zog ich zu meinem ersten Ortstermin los, um mir einmal ein eigenes Bild zu verschaffen. Allein die vorhandenen Bissspuren waren beeindruckend. Neben den Nagespuren zeugten am Fluss etliche Biberrutschen von den nächtlichen Aktivitäten. Dabei sind wir schon bei einem gewissen Problem. Der Biber ist hauptsächlich nachtaktiv. Nach zwei frühen Morgen hatte ich schon gedacht, zu wissen, wo der Biber zu Hause ist. Mehrmals sah ich einen vermeintlichen Biber flach durchs Wasser schwimmen, der sehr darauf bedacht war, sich mir möglichst nicht zu zeigen. Eines Abends hatte ich dann den vermeintlichen Biber genüsslich nagend im Fluss entdeckt. Leider hatte ich die Kamera noch im Rucksack, da ich so früh nicht mit einer Sichtung gerechnet hatte. Bis ich die Kamera schussbereit hatte, war der Nager auf Tauchstation. Jetzt glaubte ich den Ort und eine passende Zeit kurz vor Sonnenuntergang zu kennen. Mit diesem Wissen machte ich mich den Abend darauf hoffnungsvoll und früh genug erneut auf den Weg. Am Ufer wartete ich und tatsächlich kam der schwimmende Nager auf einen Fototermin angeschwommen. Ich war glücklich, diesen Moment eingefangen zu haben.

Nach dem kurzen Stelldichein wartete ich nochmals zu und hoffte, der vermeintlich Biber würde nochmals kommen, solange das Licht ausreichte. Tatsächlich kam das Tier nochmals vorsichtig angeschwommen. Jetzt kletterte es am gegenüberliegenden Ufer sogar an Land, um dortige Grünpflanzen zu fressen. Schon früh hatte ich meinen Biber für etwas klein gehalten. Jetzt sah ich deutlich, weshalb der Biber verhältnismäßig klein war. Es lag nicht an der fast abgetauchten Lage im Wasser, sondern mein Biber war eindeutig ein Nutria, auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt. Obgleich natürlich die Enttäuschung da war, dass ich keinen Biber gesichtet hatte, freute ich mich dennoch über die schönen Aufnahmen eines Nutria. Dass Nutria an diesem Flüsschen leben, war mir bisher nicht bekannt. Man lernt nie aus ...

 

 

 

 

 

 

 

WildTierFotografie

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