Bewusster Einsatz von Bewegungsunschärfe - Kreativität in der gestaltung

... ein paar Anregungen zum bewussten Gestalten mit Bewegungsunschärfe (ICM Photography - Intentional Camera Movement)

Bäume, Bewegungsunschärfe, Naturpark Schönbuch

Oft sehen wir in Bewegungsunschärfe einen unliebsamen Feind, der - zumindest technisch gesehen - perfekten Bildern im Weg steht. Nicht umsonst betreiben wir oft einen hohen Aufwand jegliche Bewegungsunschärfe auszuschließen: Ruhige Haltung, kein Verreißen beim Auslösen, Stativ oder stabile Unterlage verwenden, Objektive und Kameras mit Bildstabilisator, Funkauslöser, elektronischer statt mechanischer Verschluss ...

Fotografie ist für uns meist Gestalten mit Licht. Wir wählen die passende Blende und Verschlusszeit. Machen uns Gedanken über die richtige ISO. Bei diesen Überlegungen bemühen wir uns meist darum, alles zu tun, damit wir keine Bewegungsunschärfe bekommen. Doch Fotografie kann auch ein bewusstes Gestalten mit Bewegungsunschärfe sein. Wenn wir Bewegung im Bild ausdrücken wollen, können wir das durch "Mitzieher" tun. Auch ein Verzoomen bei langen Verschlusszeiten ist eine Möglichkeit, mit Bewegungsunschärfe zu gestalten. Neben diesen Gestaltungsmöglichkeiten lässt sich auch kreativ gestalten, wenn wir bei einer längeren Verschlusszeit die Kamera bewusst bewegen.

Gerade wenn vielleicht sonst zur kreativen Gestaltung anregt, ist möglicherweise das Gestalten mit Bewegungsunschärfe eine tolle Option, künstlerisch zu gestalten. Mit der Zeit bekommt man zwar ein Gefühl für das, was in etwa als Ergebnis herauskommt, doch lässt sich das Ergebnis nie vollkommen vorausberechnen.

Tipps zur Vorgehensweise:

  • Wähle eine möglichst niedrige ISO, um längere Belichtungszeiten zu erhalten. Solltest du bei extrem wenig Licht arbeiten, musst du möglicherweise auch mit der ISO entsprechend nach oben, da die Belichtungszeiten dann zu lange werden.
  • Tiefenschärfe hat hier wenig bis keine Relevanz. Daher reicht ein Abblenden um zwei Blendenstufen völlig. Jedoch kann ein weiteres Abblenden nötig sein, wenn sich allein mit niedriger ISO nicht eine langgenuge Verschlusszeit erreichen lässt.
  • Wenn trotz Abblenden und geringster ISO die Verschlusszeit noch zu kurz ist, kann mit ND-Filtern (der Sonnenbrille für deine Kamera) gearbeitet werden.
  • Was die passende Verschlusszeit betrifft, gibt es unterschiedliche Faktoren:
    • Wenn du die Kamera unkontrolliert "verreißt", ist deine Verschlusszeit zu lange.
    • Wie sonst, hängt die "richtige" Verschlusszeit natürlich auch von deiner Brennweite ab.
    • Wie schnell kannst du/möchtest du deine Kamera bewegen?
    • Wieviel Bewegungsunschärfe steht deinem Bild? - Ist natürlich auch immer vom persönlichen Geschmack abhängig.
  • Überlege, bevor du wild die Kamera bewegst, was du nachher als Ergebnis haben willst.
    • Passt zu deinem Bild eine vertikale, horizontale, diagonale oder radiale Kamerabewegung oder gar eine Mischung?
    • Wie kann ich eine gezielte Kamerabewegung durchführen?
      • Bewege ich nur die Kamera oder bewege ich mich?
        • ausgestreckte Arme mit Kamera bewegen
        • Kamera halten und den gesamten Körper bewegen (z. B. in die Hocke gehen und wieder strecken)
        • sich um die eigene Achse drehen
        • laufen, aus einem fahrenden Fahrzeug fotografieren, Kamera beweglich montieren (z. B. Slider, Drehstuhl, etc.)
        • ...
  • Für die Brennweite gibt es auch kein Richtig oder Falsch
    • Richtig lange Brennweiten scheiden sicher wegen der schwierigen Handhabung aus.
      • Je größer ein Objektiv ist, desto schwieriger wird es, gezielt freihändig zu arbeiten.
      • Kleine Bildwinkel erschweren es, den gewünschten Ausschnitt beim freien Verschwenken der Kamera zu treffen. Wobei für "Reißzoom"-Aufnahmen oder "Mitzieher" durchaus Telebrennweiten Sinn machen.
    • Bei größer werdenden Bildwinkeln benötige ich eine immer längere Verschlusszeit, um entsprechende Effekte zu erzielen
    • Für Aufnahmen, wie ich sie hier als Beispiele habe, eignen sich Brennweiten zwischen einem leichten Weitwinkel bis zum kleinen Tele (35 bis max, 90 mm). Eine Normalbrennweite ist hier sicher eine gute Wahl. - Gerne jedoch selber ausprobieren.
  • Am Ende gilt:
    • Entwickle eine möglichst klare Bildvorstellung in deinem Kopf.
    • Mach eine erste Probeaufnahme und vergleiche das Ergebnis mit deinem Kopfbild:
      • Passt die Bewegungsrichtung zu deinem Motiv?
      • Ist die Bewegungsunschärfe schon zu stark, dann versuch es mit einer kürzeren Verschlusszeit.
      • Ist dir die Bewegungsunschärfe noch zu schwach, dann musst du die Verschlusszeit länger wählen. Bist du schon am Limit, kann ein ND-Filter weiterhelfen.
  • Weitere Gestaltungsideen:
    • In Kombination mit Blitzlicht arbeiten. Dadurch überlagert sich ein verwischtes mit einem durch das Blitzlicht "eingefrorenen" Bild.
    • Bild mit und ohne Bewegungsunschärfe in der Bildbearbeitung überlagern.
    • Mehrere Bilder des gleichen Motivs in der Bildarbeit zusammenmontieren.

Viel Spaß beim Experimentieren!


Zusatz-Tipp:

 

Nicht vergessen, den Bildstabilisator des Objektivs/der Kamera für diese Art von Aufnahmen zu deaktivieren.


 

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